Weltgebetstag
27.04.2017

Frauenwelten - Frauenstimmen: Sich Gehör verschaffen

Warum es wichtig ist, Frauen eine Stimme zu geben

Am Freitag, den 19. Mai 2017 lud der Weltgebetstag der Frauen Österreich (WGT) und die Frauensolidarität zur Veranstaltung „Frauenwelten – Frauenstimmen: Sich Gehör verschaffen“ im Otto-Mauer-Zentrum ein. Elizabeth Cabrera und Rosario Noj Xoyon, vom Bildungsprojekt MIRIAM-Guatemala, die Südwind-Mitarbeiterin Téclaire Ngo-Tam aus Kamerun und Petra Pint, Projektkoordinatorin vom Radioprojekt „Globale Dialoge“, sprachen über ihre Arbeit und wie sie dadurch Frauen eine Stimme geben.

Aktuelle Herausforderungen von Frauen in Guatemala

Hilda Elizabeth Cabrera López ist die Programmkoordinatorin von MIRIAM-Guatemala, einem Bildungsprojekt insbesondere für indigene Frauen, das seit Jahren vom Weltgebetstag der Frauen unterstützt wird. Sie ist Soziologin und war selbst Stipendiatin des Programms. Sie erzählte wie sie mit ihrer Familie 1982 nach Mexiko floh und erst 1996, zur Zeit des Friedensprozesses in Guatemala, zurückkehrte.

Waren es früher die Spanier, die auf der Suche nach Gold in ihr Land kamen und den Menschen ihre Kultur und Politik aufzwangen, sind es heute internationale Unternehmen, die Monokulturen anlegen (z.B. Ölpalmen) oder Rohstoffe abbauen, so Cabrera. Verfolgung von GegnerInnen und Landenteignungen seien die Folgen.
Das System in Guatemala sei patriarchalisch und rassistisch. Die Gewalt sei institutionalisiert und im Denken der Menschen verhaftet. Vor allem für indigene Frauen sei der Zugang zur Gesundheitsversorgung und Bildung schwierig. Trotz des Friedensprozesses wurden diese Probleme nicht gelöst. Die Unterstützung im Bereich der Bildung durch MIRIAM sei deswegen sehr wichtig.

Wie Unterdrückung und Ausgrenzung bekämpft werden können

Rosario Noj Xoyon, Verantwortliche für das Netzwerk der Promotorinnen für Gewaltprävention, erklärte, dass MIRIAM-Guatemala auf vier zentrale Strategien setzt: die formelle Bildung für erwachsene Frauen in Führungspositionen und für junge Frauen bzw. Mädchen mit Gewalterfahrung; politische Bildung, da diese auf den Schulen nicht angeboten wird; Unterstützung bei der Bewältigung von traumatischen Gewalterfahrungen und die Umsetzung des Konzeptes „Das gute Leben“ speziell für Frauen. Die letzte Strategie umfasst vor allem Lobbyarbeit und die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen in Guatemala, um die Situation von Frauen in Guatemala zu verbessern.

Was es braucht, um eine Stimme zu erhalten

Téclaire Ngo-Tam hat Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien studiert und ist derzeit vor allem im Bildungsbereich von Südwind tätig. Sie sprach darüber welche Frauen sie in ihrem Leben unterstützt haben, und fing mit ihrer Mutter und Schwester in Kamerun an. Ihrer Meinung nach, geht es nicht darum, Frauen eine Stimme zugeben, sondern vor allem die Rechte von Frauen umzusetzen. Sie sieht generell einen Rückschritt bei der Umsetzung von Menschenrechten weltweit – also auch bei Männern.

Téclaire Ngo-Tam sprach auch über ein Näherinnenprojekt in Kamerun, das sie seit einigen Jahren koordiniert, es bietet Frauen die Möglichkeit, sich zu Schneiderinnen ausbilden zu lassen und dadurch ein Einkommen zu erzielen.

Frauenstimmen im Radio

Petra Pint koordiniert das Radioprojekt "Globale Dialoge", eine entwicklungspolitische Sendereihe auf Radio ORANGE 94.0, in der über internationale Frauen*bewegungen,*feministischen Aktivismus und Kulturschaffen von Frauen* berichtet wird. Basis des Projekts sind die "Women on Air" ein Frauen*redaktionskollektiv in Wien. Es handelt sich dabei um eine offene Redaktionsgruppe, in der Frauen nicht nur journalistische Grundkenntnisse und radiotechnisches Basiswissen erhalten, sondern auch dabei unterstützt werden, im öffentlichen Raum über Themen zu sprechen, die unbequem sind oder Zustände zu kritisieren.