Startseite | Sitemap | Impressum | Kontakt
21.03.2017

Verfolgt und misshandelt

Die jesidische Sacharow-Preisträgerin Lamiya Aji Bashar wünscht sich mehr Schutz und Hilfe

Bei einer gemeinsamen Veranstaltung vom Weltgebetstag der Frauen Österreich und dem Katholischen Akademiker/-innenverband Wien sprachen ExpertInnen über die Herkunft und den Glauben der Êzîdî (JesidInnen), sowie die aktuelle Situation der religiösen Minderheit nach den Massakern durch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) im Irak und in Flüchtlingscamps in verschiedenen Ländern. Dabei wurde auch diskutiert, was sich die Betroffenen von der internationalen Gemeinschaft wünscht.

Der Genozid und seine Folgen

Die Veranstaltung trug den Titel „Der 74. Ferman – Der Genozid an den Êzîdî und seine Folgen“ und fand am 20. März im Otto Mauer Zentrum statt. Verena Bauer, die Projektreferentin vom Weltgebetstag der Frauen begrüßte die ExpertInnen am Podium und alle Gäste im Saal sehr herzlich und freute sich über das große Interesse an diesem Thema. Durch den Abend führte die Radiojournalistin Alexandra Mantler von der Ö1-Abteilung Religion.

Nach einem fundierten Überblick über die jesidische Religion zu Beginn der Veranstaltung durch den evang. Religionswissenschafter Wolfram Reiss, sprach die Kultur- und Sozialanthropologin Maria Six-Hohenbalken über die Verfolgung durch den sogenannten „Islamischen Staat“ und dem daraus resultierenden Leid der Êzîdî. Die Wissenschafterin berichtete davon, wie Anfang August 2014 die Terrorgruppe „IS" im Distrikt Şingal, im Norden des Iraks, zahlreiche Dörfer der Êzîdî erobert hat. Massaker und Entführungen waren die Folge. Sie informierte, wie die Glaubensgemeinschaft als Reaktion ein Ritual entwickelt hat, um Frauen, die vom „IS“ versklavt wurden, wieder in die Gemeinschaft einzugliedern und ihnen Trost zu spenden. Hierfür verbringen die Frauen nach ihrer Flucht einige Zeit in Lalisch, dem Zentrum des jesidischen Glaubens. Dort leben sie für einige Zeit mit dem Baba Scheich, dem religiösen Oberhaupt.

Die aktuelle Situation und was getan werden müsste

Der Politikwissenschafter Thomas Schmidinger sprach über die aktuelle Situation der Êzîdî im Irak. Er ging dabei im speziellen auf die komplizierte politische Lage in den jesidischen Gebieten rund um die nordirakischen Sindschar-Berge ein. Er befand sich Ende 2016 in der Region und sprach mit Êzîdî in den Flüchtlingscamps. 90 Prozent der Befragten gab an, keine Zukunft mehr für sich im Irak zu sehen: „Sie wollen nach Europa, denn im Irak fühlen sie sich nicht sicher. Wenn sie jemals zurückkehren, dann braucht es internationale Sicherheitsgarantien. Eine militärische Präsenz von nicht-irakische Einheiten, die sie nicht im Stich lassen, wie damals im August 2014“. Auch das Verhältnis mit den Peschmerga sei seit damals gestört, diese hätten sie ebenfalls nicht beschützt.

Im Anschluss berichtete Lamiya Aji Bashar über ihre Erfahrungen. Sie wurde mit 16 Jahren vom IS entführt, im April 2016 gelang ihr die Flucht. Ihr Gesicht wurde dabei von einer Mine schwer verletzt. Sie erzählte den anwesenden Gästen, welches Leid ihr und ihren Mitgefangenen angetan wurde. Doch das Leid wurde noch nicht beendet: "Nach zwei Jahren befinden sich immer noch fast 2.000 êzîdischen Frauen und Kinder in Gefangenschaft des „IS". Jene Frauen, die freigekauft wurden oder fliehen konnten befinden sich in einer schwierigen Lage. Die Lager sind überfüllt, es gibt keine Schulen und keine psychologische Betreuung. Wir wünschen uns mehr internationale Aufmerksamkeit, Schutz und Hilfe."

Mirza Dinnayi, ehem. Berater des irakischen Präsidenten Dschalal Talabani und Gründer der humanitären Aktion „Luftbrücke Irak“ berichtete darüber, wie er im August 2014, die, in die Berge geflohenen Êzîdî mittels Helikopter mit Nahrungsmittel und vor allem Wasser versorgte. Der jesidische Intellektuelle nahm auch eine zentrale Rolle bei der Übersiedlung von über 1.000 traumatisierten jesidischen Frauen und ihren Kindern nach Baden- Württemberg ein. Vielleicht, so seine Hoffnung, gelingt es auch mit politisch Verantwortlichen jesidische Frauen aus dem Irak nach Österreich zu holen und ihnen Zuflucht und Lebensperspektiven zu geben.

Josef Weidenholzer, Mitglied des Europäischen Parlaments (MEP), fordert bereits seit Jahren mehr internationale Aufmerksamkeit für die Situation der JesidInnen. Hierfür gründete er im Juni 2016 die jesidische Freundschaftsgruppe. Ihr Ziel ist es Bedingungen dafür zu schaffen, dass JesidInnen und ChristInnen wieder gesichert in ihren angestammten Gebieten leben können.

Rege Diskussion mit in Österreich lebenden Êzîdî

Am Ende der Präsentation forderte die Moderatorin Alexandra Mantler das Publikum auf, sich aktiv bei der Fragestellung, ob es eine Zukunft der Êzîdî im Irak geben kann, einzubringen. Viele der anwesenden Gäste folgten der Einladung und diskutierten darüber, was hierfür nötig wäre. In Wien lebende Êzîdî berichteten, dass jede Familie von der Verfolgung durch den „IS“ betroffen war und ist. Immer noch befänden sich viele Angehörige in Gefangenschaft. Vorrangig müsste es für Êzîdî sicher sein, in den ehemaligen Siedlungsgebieten zu leben. Um das Vergangene aufzuarbeiten müsste vor allem auch Gerechtigkeit erfolgen, die Täter vor Gericht gestellt werden. Viele der Êzîdî hätten jedoch das Gefühl, von der internationalen Gemeinschaft vergessen worden zu sein.

Eine zentrale Frage war, wie nun den Êzîdî konkret geholfen werden kann. Leider konnten darauf keine konkreten Antworten gegeben werden, sondern es wurden Ansätze diskutiert und Vorschläge gemacht. Fazit war, dass vor allem die PolitikerInnen auf EU-Ebene gefordert sind, sich zu engagieren. Im Bezug zu in Österreich lebenden Êzîdî, betonte Thomas Schmidinger, sei es sehr wichtig, dass die jesidische Community in Österreich zusammenhalte und gemeinsam versucht Lösungen zu finden. Eine Möglichkeit wäre die gesetzliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft in Österreich.

Bei der Agape mit reichlich kurdischen Köstlichkeiten war Lamiya zu Gesprächen und auch zu einem persönlichen Foto mit den Vertreterinnen des Weltgebetstages bereit.

KooperationspartnerInnen:
+ Liga für emanzipatorische Entwicklungszusammenarbeit (LeEZA)
+ Österreichische Gesellschaft zur Förderung der Kurdologie/Europäisches Zentrum für Kurdische Studien

Die Veranstaltung wurde durch den Zukunftsfonds und den 9. Bezirk - Kultur im Alsergrund großzügig unterstützt.

Fotos: Th. Frühwirth (kathpress) und WGT

download torrents2017 movies freetorrent 2017 moviesfull hd torrentspopular torrents downloadtorrents 2017full length movies torrentdownload movies and filmmovies torrentsfree movies download 2017free torrent downloadsdownload films for free2017 movies downloadsonline torrent downloadshd movies downloaddownload free hd torrentstop downloadstop movies free downloadtorrent downloadsdownloadstorrenttop rated torrents downloadswatch online movie