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Kuba – Multiplikatorinnen Schulung zu Gender für Frauen verschiedener Kirchen

Frauen sind seit der Kubanischen Revolution 1959 zwar rechtlich gleichgestellt, davon ist im Alltag jedoch wenig zu spüren. Während die berufliche Gleichstellung gesellschaftlich akzeptiert ist, sieht es im Privaten anders aus. Ungezügelte männliche Sexualität und verantwortungslose Vaterschaft wird hingenommen, Verhütung und familiäre Sorgearbeit obliegt der Frau. Konstante Versorgungsengpässe, das Auseinanderbrechen der sozialen Netzwerke durch Migration, wachsende Defizite der sozialen Infrastruktur und die zunehmende Arbeitslosigkeit erschweren zusätzlich den Lebensalltag. Innerfamiliäre Gewalt bzw. Gewalt gegen Frauen sind ebenfalls ein Thema.

Der Kubanische Kirchenrat (Consejo de Iglesias de Cuba Àrea Diaconía) sieht Gender deswegen als Querschnittaufgabe. 30 Promotorinnen setzen sich für die Förderung von Frauenrechten ein. Der Fokus liegt auf der persönlichen Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Teilhabe und wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Indirekte Zielgruppen sind die Funktionsträger in den Mitgliedskirchen sowie die Bevölkerung in den jeweiligen Gemeinschaften. Im Rahmen des Projektes werden Fortbildungszyklen zu Genderperspektive und solidarischer Ökonomie bzw. Grundkenntnisse zum Aufbau von Kleinstbetrieben finanziert.

Die Partnerorganisation, der Kubanische Kirchenrat, ist ein Zusammenschluss protestantischer Kirchen und Bewegungen. 1977 gegründet, diente er als Plattform, um kirchliche Interessen mit dem damals noch verfassungsmäßig atheistischen Staat zu verhandeln. Im Zuge der schweren Wirtschaftskrise zu Beginn der 90er Jahre („Spezialperiode“) und den größeren Spielräumen, die Kirchen seit der Verfassungsänderung zugunsten eines laizistischen Staates haben, weitete CIC sein Aufgabenprofil aus und fördert seitdem in seinen Mitgliedskirchen Entwicklungsprojekte mit Fokus auf nachhaltige Energie, Ernährungssicherung, Gesundheit und Sozialarbeit.

Das Projekt wird im Rahmen der DACH-Kooperation gemeinsam mit den beiden Weltgebetstagkomitees Deutschland und Schweiz unterstützt.

Projektpartner:

Consejo de Iglesias de Cuba (CIC); Kubanischer Kirchenrat

Finanzierung durch den WGT Österreich:

Förderdauer: 2016
Fördersumme: 8.000,- Euro (DACH-Kooperation insgesamt: 25.679,- Euro)

Dieser Beitrag wurde am 23. Juni 2017 in 2016, Kuba veröffentlicht.

Kuba – Eigenes Einkommen und Beteiligung am sozialen Leben für die Generation 55+

Nicht selten stehen ältere Menschen in Kuba nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben wirtschaftlich und sozial vor dem Nichts: die staatliche Mindestrente reicht nicht zum Überleben und familiäre Versorgungsnetze brechen weg. In dem Projekt, das in Kooperation mit dem WGT Deutschland und der Schweiz für 3 Jahre gefördert wird, geht es darum, würdiges Leben im Alter durch wirtschaftliche Eigenständigkeit zu fördern und das Negativbild der „unproduktiven Alten“ zu verändern.

Eine große Herausforderung bestehe darin, so die Partnerorganisation Caritas Cuba (CC), das Negativbild von den „unproduktiven Alten“ zu verändern. CC bekämpft die wirtschaftliche Not der Generation 55+ mit Einkommen schaffenden Maßnahmen, versucht die Gefahr der Ausgrenzung durch die Stärkung sozialer Netze zu verringern und hinterfragt gängige Rollenbilder von Frauen und Alten durch Bildungsarbeit. Im aktuellen Projekt wird der landesweite Aufbau von 150 sogenannten „produktiven Gruppen“ gefördert. Dabei handelt es sich meist um Änderungsschneidereien, Kunsthandwerk und Gemüsezucht. Dadurch erhalten ca. 700 ältere Menschen (davon 2/3 Frauen) die Möglichkeit, sich ein Existenzminimum zu erwirtschaften bzw. einen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten.

Caritas Cubana wurde 1991 von der kubanischen Bischofskonferenz gegründet und ist bislang die einzige „echte“ Nichtregierungsorganisation in Kuba, da sie nicht von der Regierung/Partei kontrolliert wird. Ihr Auftrag lautet, „in Anerkennung der Würde jeder einzelnen Person das Risiko der Ausgrenzung minimieren“. Konkret bedeutet dies die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Familien, Alten, Behinderten und HIV/Aidskranken sowie die Unterstützung von Opfern von Naturkatastrophen. Frauenförderung ist weniger Programm denn implizite Konsequenz der Realität: Frauen sind in den Zielgruppen und beim Personal bzw. den Freiwilligen in der Überzahl.

Projektpartner:

Caritas Cubana (CC)

Finanzierung durch den WGT Österreich:

Förderdauer: 2016 – 2017
Fördersumme: 21.000,- Euro (DACH-Kooperation insgesamt 58.298,- Euro)

Dieser Beitrag wurde am 23. Juni 2017 in 2016, 2017, Kuba veröffentlicht.