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Philippinen – Bildungsprogramm für Kinder indigener Gemeinschaften

Agusan del Sur liegt im Nordosten der Insel Mindanao und gehört zu den ärmeren Provinzen der Philippinen. Es ist eine der wenigen Provinzen mit noch immer mehrheitlich indigener Bevölkerung. Landkonflikte um Bergbau, Holzwirtschaft oder Plantagenwirtschaft prägen den Alltag der Menschen ebenso wie militärische Auseinandersetzungen zwischen der NPA (New Peoples Army) und dem Militär. Der Verlust des Waldes durch wirtschaftliche Interessen, sowie die Teilung von Gemeinden infolge der politischen Konflikte tragen stark zum Verlust der kulturellen Traditionen der verschiedenen indigenen Völker, die mit dem Sammelbegriff Lumad bezeichnet werden, bei.

Während die meisten Lumad den Lebensstil der philippinischen Mainstream-Kultur übernommen haben, werden andere in abgelegene, marginalisierte Gegenden abgedrängt. Zugang zu grundlegenden sozialen Dienstleistungen, wie eine medizinische Versorgung oder Schulbildung existieren in diesen Gegenden kaum und wenn, dann sind sie aufgrund der widrigen Umstände qualitativ schlecht. Regierungsschulen konzentrieren sich auf die Zentren der Barangays (kleinste Verwaltungsstruktur auf den Philippinen) und Städte, mit der Folge, dass abgelegene indigene Gebiete für den regelmäßigen Schulbesuch meist zu weit entfernt sind. Die einzige Transportmöglichkeit sind Motortaxis oder Motorboote, deren Gebühren für die Familien auf Dauer unerschwinglich sind. Viele Eltern entscheiden daher, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken, stattdessen müssen sie auf der Farm der Eltern mithelfen. Weitere große Probleme sind Kindesmissbrauch und Menschenhandel.

Das Oberziel, des über die Dreikönigsaktion geförderten Projekts ist die Verbesserung der Lebensqualität von Kindern in 10 indigenen Gemeinschaften in Agusan del Sur. Kinder sollen vor Missbrauch geschützt und ihr Recht auf Entwicklung auf Basis ihrer kulturellen Identität gefördert werden.

Partnerorganisation ist Panaghiusa alang Sa Kaugalingnan Ug Kalingkawasan (PASAKK), eine lokal gewachsene und indigen geführte und lokal verwurzelte Organisation mit äußerst engagierten und kompetenten MitarbeiterInnen.

In den PASAKK-Schulen wird nach dem Prinzip der „interkulturellen Bildung“ unterrichtet. Neben Schreiben, Lesen, Rechnen und Englisch gehören hier auch traditionelles Wissen, handwerkliche Fertigkeiten und das Anlegen von Schulgärten zum Unterrichtsprogramm. Die Schulen werden vom Department of Education anerkannt. Das Bildungsprogramm ist mit den anderen Programmbereichen der Organisation verbunden. Besonderes Augenmerk richtet PASAKK dabei auf die Situation von Frauen und Kindern. Auch auf die Einbindung und anwaltschaftliche Arbeit gegenüber der Lokalregierung wird viel Wert gelegt.

Projektpartner:

Dreikönigsaktion

Finanzierung durch den WGT Österreich:

Förderdauer: 2017
Fördersumme: 1.000,- Euro

Bilder Copyright: Dreikönigsaktion

Dieser Beitrag wurde am 31. August 2017 in 2017, Philippinen veröffentlicht.

Philippinen – Empowerment philippinischer Arbeiterinnen

In dem Projekt, das in Kooperation mit dem WGT Deutschland und der Schweiz für 3 Jahre gefördert wird, geht es darum, die Frauenorganisationen der Kayumanggi zu stärken. Trotz konstant hohem Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren ist die Einkommens-schere zwischen Arm und Reich auf den Philippinen weiter auseinander gegangen. Im Wettlauf um globale Wettbewerbsfähigkeiten setzt die Regierung weiter auf eine neoliberale Wirtschaftspolitik. Das hat eine De-Regulierung des Arbeitsmarktes zur Folge mit den bekannten Folgen für die Arbeitnehmerinnen, wie Lohndumping, Erosion der Arbeits- und Sozialstandards, Bedeutungsverlust der Gewerkschaften, Anstieg von Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, etc. In kaum einer Familie genügt ein Verdienst allein zum Überleben. Daher sind gerade in den Städten, wo es kaum möglich ist, Selbstversorgungswirtschaft zu betreiben, viele Frauen gezwungen, auch unsichere, gefährliche und unterbezahlte Arbeit, ohne jegliche soziale Absicherung anzunehmen, um die Familie über Wasser zu halten.

Die Frauenorganisation Kayumanggi soll nun mit den Projektgeldern unterstützt werden, sich zu einer formell registrierten und regional anerkannten Arbeiterinnenvertretung zu entwickeln, die die Anliegen ihrer Mitglieder professionell und wirksam gegenüber den staatlichen Gremien vertreten kann.

Die Partnerorganisation Urban Missionaries (Städtische MissionarInnen) hat es geschafft Kayumanggi aufzubauen. Nun sollen die institutionellen Fähigkeiten der Frauengruppe gestärkt werden, um ihre Mitgliederbasis zu verbreitern, auch in anderen Stadtteilen Untergruppen zu etablieren und selbstständig Mittel für ihre Arbeit zu erwirtschaften. Von dieser beabsichtigten Professionalisierung sollen mindestens 500 Frauen profitieren, die bereits Mitglieder in einer der drei bestehenden Kayumanggi-Gruppen (in den Stadtteilen Valenzuela, Quezon und Paranaque) sind.

Solche Professionalisierungsmaßnahmen sind z.B. Organisationsentwicklung, kombiniert mit Informationsvermittlung und Bewusstseinsbildung zu Frauenrechten. Durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und Vernetzung mit anderen sozialen Netzwerken und Gruppierungen sollen die Anliegen aufgezeigt werden und in der Folge auch auf politischer Ebene Berücksichtigung finden.

Die Partnerorganisation Urban Missionaries wurde während der Marcos-Diktatur 1977 von der Vereinigung der Ordensoberen in den Philippinen mit dem Auftrag gegründet, sich für die Belange der städtischen Industriearbeiterschaft stark zu machen. Bis heute setzen sie sich für faire Arbeitsverhältnisse und ArbeitnehmerInnenrechte ein. Mit fortschreitender Globalisierung liegt jedoch das Augenmerk mehr und mehr auf der Bekämpfung von prekären, zeitlich befristeten Arbeitsverhältnissen bzw. der Umgehung arbeits- und sozialrechtlicher Mindeststandards.

Projektpartner:

Urban Missionaries

Finanzierung durch den WGT Österreich:

Förderdauer: 2017 – 2018
Fördersumme: 15.000,- Euro (DACH-Kooperation insgesamt: 46.112,- Euro)

Bildrechte: Urban Missionaries/WGT Deutsches Komitee e.V

Philippinen – Ernährungssicherung und Klimaanpassungsstrategien

In dem Projekt, das in Kooperation mit dem WGT Deutschland und der Schweiz für 3 Jahre gefördert wird, geht es darum, in der Land- und Forstwirtschaft von Süd-Mindanao Strategien zu entwickeln, die auch in Zeiten des Klimawandels die Lebensgrundlagen der Familien sichern.

Indigene Frauen auf Mindanao sind in vielerlei Hinsicht gegenüber der Mehrheitsbevölkerung benachteiligt: Sie leben, meist ohne Besitztitel, in abgelegenen Regionen auf wenig fruchtbarem Terrain, auf dem gerade das Nötigste zum Überleben erwirtschaftet werden kann. Die Folgen des Klimawandels bzw. Verschlechterung der Boden- und Niederschlagsverhältnisse treffen sie dadurch besonders hart. Staatliche Infrastruktur ist kaum vorhanden, d.h. der Besuch von Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen erfordert weite und beschwerliche Anreisen.

Das Projekt richtet sich an 200 Frauen aus drei indigenen Gemeinschaften der Provinz Davao del Sur. Sie sollen erlernen, nachhaltige Land- und Forstbewirtschaftung zu betreiben. Ferner zielt das Projekt auf eine stärkere Beteiligung der indigenen Frauen in Lokalpolitik und Kommunalplanung und ermutigt sie, ihre Stimme in der Öffentlichkeit zu erheben, wenn es um die Durchsetzung ihrer Rechte und Formulierung ihrer Anliegen geht.

Unsere Partnerorganisation ist die METSA Foundation in Davao City. Sie wurde 1995 gegründet, um Mitsprache, Beteiligung und Lebenssituation marginalisierter Frauen und Kinder im ländlichen Raum Davaos zu verbessern. Dabei setzt METSA seit vielen Jahren auf die Durchsetzung der Rechte von (indigenen) Frauen, auf agro-ökologische Landwirtschaft, Umweltschutz/Ressourcensicherung, Engagement gegen Landraub sowie gentechnisch modifiziertes Saatgut. Die Organisation ist lokal gut vernetzt mit verschiedenen Frauen-, Umwelt- und Farmerorganisationen.

Im Rahmen des Projekts werden Trainings in ökologischen Anbaumethoden kombiniert mit Maßnahmen zur Wiederaufforstung und zusätzlicher Einkommensgewinnung aus dem Zuckerrohranbau. Frauen, die in Vorprojekten von METSA teilgenommen haben, fungieren dabei als Multiplikatorinnen in den indigenen Gemeinschaften, um die Akzeptanz der vorgeschlagenen Methoden und Anbautechniken zu erhöhen. Die Einrichtung von Saatgutbanken und gemeinsame Strategieplanung zum Umgang mit Dürren, Wirbelstürmen, Überflutungen, Erdrutschen, etc. mit den örtlichen Behörden ermöglichen ein konzertiertes Vorgehen im Umgang mit den Folgen des Klimawandels.

Projektpartner:

METSA Foundation

Finanzierung durch den WGT Österreich:

Förderdauer: 2017
Fördersumme 15.000,- Euro (DACH Kooperation insgesamt: 66.948,- Euro)

Bilder Copyright: METSA Foundation/WGT Deutsches Komitee e.V.

Dieser Beitrag wurde am 23. Juni 2017 in 2017, Philippinen veröffentlicht.

Philippinen – Klima- und Geschlechtergerechtigkeit als Motor für nachhaltige Entwicklung

In dem Projekt, das in Kooperation mit dem WGT Deutschland und der Schweiz für 3 Jahre gefördert wird, geht es darum, Organisationen der Landfrauenbewegung auf Mindanao zu stärken, damit sie in der Lage sind, ihre Anliegen gegenüber örtlichen Regierungsvertretern vorzubringen und einzufordern.

Bürgerkrieg und gewaltsame Konflikte haben viele Jahre lang das Zusammenleben der „Tri-people“-Frauen („Tri-people“: Christliche Siedlerinnen, muslimische Bangsamoro und indigene Lumad) auf Mindanao geprägt. Alle leiden unter fortschreitender Verarmung und Bedrohung ihrer Lebensgrundlagen aufgrund von Klimawandel, Landraub, Bergbau und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch Großkonzerne. Aufgrund ihrer traditionellen Wirtschaftsweise, dem Mangel an alternativen Einkommensmöglichkeiten und dem Fehlen staatlicher Infrastruktur sind indigene Frauen davon besonders betroffen. Traditionelle Familienstrukturen lassen kaum Platz für politisches Engagement, d.h. Frauen haben weder Stimme noch Einfluss, um ihre Situation zu verändern.

Ziel dieses Projektes ist es, acht Organisationen der Landfrauenbewegung Mindanaos dazu zu ermächtigen, dass sie in der Lage sind, ihre Anliegen gegenüber örtlichen Regierungsvertretern zu formulieren bzw. Änderungen einzufordern. Dadurch soll die Lebenssituation und Lebensgrundlage ihrer Mitglieder (630 Frauen) verbessert werden. Innerhalb der Bewegung wird Wert darauf gelegt, dass Tri-people Frauen solidarisch zusammenarbeiten. So soll eine Basis von jungen, selbstbewussten Frauen entstehen, die Führungspositionen vor Ort übernehmen. Die ökonomische Lage der Landfrauen kann sich durch zusätzliche Einkommensquellen aus Land- und Fischwirtschaft verbessern. Männer und Jugendliche sollen in die Arbeit für mehr Klima- und Geschlechtergerechtigkeit eingebunden werden.

Um das Projektziel zu erreichen wird auf folgende Methoden gesetzt:
• die Stärkung der Basisorganisationen und intensivere Vernetzung sowie Austausch untereinander bezüglich politischer Agenda und nachhaltiger Wirtschaftsstrategien unter besonderer Berücksichtigung der Situation indigener Frauen
• bewusstseinsbildende Kampagnen bei Jugendlichen und Männern
• Veröffentlichungen und Kampagnen zu Gender, Umweltschutz und Ernährungssouveränität
• Einkommensschaffende Maßnahmen, z.B. Verkauf von Heilkräutern, Fischverarbeitung, Dorfgärten usw.
• Trainings zu gesunder Ernährung und traditionellen Heilmethoden

Unsere Partnerorganisation, das Mindanao Tri-People Women Resource Center (MTWRC) wurde im Juni 2001 gegründet, als Folge der ersten Frauenfriedenskonferenz auf Mindanao. Das Zentrum koordiniert Maßnahme zur Stärkung seiner mehr als 50 Basisfrauenorganisationen, die alle drei Bevölkerungsgruppen (christliche Siedlerinnen, muslimische Bangsamoro und indigene Lumad) auf Mindanao repräsentieren und engagiert sich für das friedliche Zusammenleben und die Verbesserung der Lebensbedingungen.

Projektpartner:

Mindanao Tri-People Women Recource Center (MTWRC)

Finanzierung durch den WGT Österreich:

Förderdauer: 2017 – 2018
Fördersumme: 13.000,- Euro (DACH Kooperation insgesamt: 89.499,- Euro)

Bilder Copyright: Mindanao Tri-People Women Resource Center/WGT Deutsches Komitee e.V.