Das war das bibeltheologische Seminar zum WGT 2020 Simbabwe

Das deutsche WGT-Komitee veranstaltete dieses Seminar am 11. April und hatte dazu als Vortragende Prof.in Dr.in Ulrike Bechmann (Uni Graz), Prof. Dr. Joachim Kügler (Uni Bamberg)  eingeladen. Als besonderen Gast durften wir auch Frau Prof.in Dr.in Kudzai Biri begrüßen. Sie ist Dozentin für Christliche Theologie und theologische Lehre der Kirchen in Simbabwe an der University of Zimbabwe, Harare. Ungefähr 85 Frauen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich nahmen am Seminar teil, welches im Caritas Pirckheimer Haus in Nürnberg stattfand.

Prof. Biri berichtete über die Situation der Frauen im Nach-Mugabe-Simbabwe. Die Frauen aus Simbabwe lesen den Text von Joh 5,2-9a ausschließlich in Bezug auf die Heilung des Kranken und nicht im Kontext der anschließenden Dialoge einerseits mit dem Kranken, andererseits mit “den Juden“. Für sie steht die Ermächtigung des Kranken im Mittelpunkt: so wie dieser Kranke nichts zur eigenen Heilung beiträgt, so haben die Frauen in der Vergangenheit nichts (nur wenig) zur Änderung ihrer Situation gemacht. „Steh auf, nimm deine Matte, geh“ verstehen sie als Aufforderung an sich, mutig aufzutreten, um politische, traditionelle, patriarchale Unterdrückung der Frauen in Simbabwe aufzuzeigen und dagegen anzukämpfen.

Prof. Kügler sprach über die Besonderheiten des Johannes-Evangeliums, über den Inhalt der Lehre; den Ablauf, den Stil der Reden; die Entstehungszeit bzw. den  -Ort.  Im Speziellen betrachtete er dann die Bibelstelle und verwies auf diese Wichtigkeit: der Geheilte begreift, dass Jesus der Logos ist, dass in ihm Gott gegenwärtig  ist. Aus dieser Perspektive gesehen ist die Heilung für den Evangelisten Johannes quasi nur Beiwerk.

Am nächsten Tag sprach Prof.in Bechmann im Rahmen einer Bibelarbeit über die gewählte Bibelstelle. Wie lesen Menschen mit Behinderung diese biblischen Heilungsgeschichten? Interpretieren wir sie so, dass nur „gesund“ „normal“ ist? Denn was ist, wenn Gott nicht heilt? Lebensläufe gehen nicht immer glatt, aber nicht weil wir gesündigt haben! Diese Sicht war für uns – ich möchte fast sagen – erschreckend neu. Aus diesem Blickwinkel haben wahrscheinlich viele von uns Nicht-behinderten die Heilungsgeschichten noch nie betrachtet. Ein ganz wichtiger Gesichtspunkt, den wir weitertragen, weitersagen sollten!

Ausgestellt waren Näharbeiten von Frauen aus Simbabwe, in denen sie ihre Geschichte, ihre Lebensläufe erzählen.

Dieser Beitrag wurde am 18. Mai 2019 veröffentlicht, in Aktuelles. Setze ein Lesezeichen mit dem Permanentlink.