Länderinformation

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Land: Simbabwe –  Nyika yeZimbabwe/Republic of Zimbabwe – ehem. Südrhodesien, „große Steinhäuser“ in Sprache der Shona (dzimba = Häuser, mabwe = Steine)
 Größe:  Die Fläche von ca. 390.580 km² ist mehr als 4,5 mal so groß wie Österreich.
 Lage: Simbabwe ist ein Binnenland im südlichen Afrika. Im Norden grenzt es an Sambia, im Osten an Mosambik, im Süden an Südafrika und im Westen an Botswana. Im Nordwesten ist die Grenze zu Namibia rund 150m entfernt.
 Klima: Subtropisches und tropisches Klima – schwüle Sommer (über 35°), Trockenzeit im Winter (um 25°), Regenzeit von November – März mit 90% der Niederschläge. Ein Großteil des Landes liegt auf höheren Lagen, im Sommer mit Temperaturen um 25-30°, im Winter auch z.T. Nachtfrost mit -5°. Aufgrund des Klimawandels kommt es zu vermehrten Dürreperioden aber auch starken Regenfällen und Überschwemmungen.
 Flora und Fauna: Der Fluss Sambesi bildet die nördliche Grenze zum Sambia. Ein Großteil des Landes liegt auf einem Hochplateau, dem High Velt (ca. 1000-1600m Höhe). Mount Nyangani ist mit  2592m der höchste Berg Simbabwes und liegt im gebirgigen Osten, den Eastern Highlands. Im Hochplateau befinden sich viele Nationalparks, wie dem Gebirgspark Chimanimani Nationalpark oder dem Matobo Nationalpark mit seinen berühmten balancierenden Felsen (ältester Nationalpark Simbabwes, gegründet 1926 als Rhodes Matopos National Park). Der wohl berühmteste Park ist jedoch der Nationalpark Victoria Fälle im Westen, die seit 1989 UNESCO Weltnaturerbe sind.

In der Trockensavanne dominieren Miombo- und Mopanewälder, Affenbrot (Baobab)- & Leberwurstbäume, Teak- & Mahagonibäume. Zahlreiche Pflanzenarten wie Hibiskus, Blauregen, Kassien, Spinnenlilie & Ruhmeskrone – die Landesblume Simbabwes –  verschönern die hügelige Landschaft. Rund 350 verschiedene Säugetierarten (wie Büffel, Elefant, Rhinozeros, Giraffe, Leopard, Löwe, Zebra, Antilope), Schlangen, Eidechsen, über 500 Arten Vögel & 131 Arten Fische bereichern die Artenvielfalt des Landes. Abholzung und Wilderei sowie ein Zuwachs der Bevölkerung haben jedoch zu einer starken Reduktion des Artbestandes geführt, allein zwischen 2000-2007 starben 60% der Wildtiere.

 Staatsform: Republik mit Präsidialsystem
 Staatsoberhaupt: Präsident Emmerson Mnangagwa, gewählt am 24. 11. 2017, nach Sturz von Robert Mugabe. Er war seit 1980 Minister unter Mugabe in diversen Ressorts (u.a. für Staatssicherheit und Geheimdienst von 1980-1988, wo er Mit-Urheber für die Ermordung Tausender Ndebele war – siehe Punkt Geschichte) und von 2014-2017 Vize-Präsident unter Mugabe.
 Hauptstadt: Harare (bis 18.4.1982 Salisbury) liegt im nördlichen Teil des Landes mit einer Fläche von rund 960km2  und liegt auf 1483m. Im Stadtgebiet wohnen rund 1,7 Millionen Menschen, im Ballungsraum ca 2,9 Millionen. 1890 wurde die Stadt von Cecil Rhodes als Fort Salisbury auf dem Gebiet des Shona-Chiefs Harare gegründet. 1923 bekam sie die Stadtrechte und wurde nach der Unabhängigkeit 1982 in Harare umbenannt. Die Stadt ist das Wirtschafts-, Politik-, Finanz-, Kommunikations & Handelszentrum des Landes. Neben der `University of Zimbabwe´ befinden sich einige weitere Universitäten & Colleges in der Hauptstadt. Die politischen und wirtschaftlichen Unruhen seit 2002 ließen den Lebensstandard in Harare rapide sinken.
 Nationalfeiertag: 18.4. – nach den 1. Demokratischen Wahlen im Februar 1980 erhielt Simbabwe am 18.4.1980 seine Unabhängigkeit.
 Geschichte: Vor etwa 2000 Jahren besiedelten die Bantu und Shona das Plateaugebiet des heutigen Simbabwe. Einer der bedeutendsten Bauten aus dieser Zeit und zugleich Namensgeber des Landes ist „Groß-Simbabwe“ – näheres unter „Kultur“. Reger Handel mit der ostafrikanischen Küste durch muslimische Händler führte zu großem Reichtum.

Im 16. Jahrhundert kamen mit den Portugiesen die ersten Europäer ins Land. 1837 eroberten die Ndebele das Shona-Land. In den 1890er eroberten die Briten unter Cecil Rhodes das Gebiet, gingen u.a. mit einem Ndebele König einen Packt ein, indem sie gegen Geld, Waffen und Zucker Schürfrechte für das ehemalige Shona Land erhielten. Die Briten zwangs-siedelten die indigene Bevölkerung von fruchtbaren in sandiges, unfruchtbares Land, beuteten deren Bodenschätze (Erz, Diamanten, Platin, Gold, Chrom, Uran, Lithium, Schwefel) und die Menschen als Arbeitskräfte aus. Schwarze und Weiße wurden segregiert, eine Apartheidgesellschaft formte sich. Der Kampf gegen die weiße Minderheit prägt das Land politisch bis heute. 1896-1987 starben Tausende beim 1. Versuch (dem Chimurenga) sich gegen den Kolonialismus zu wehren. Nach Rhodes benannt entstand die Kolonie Rhodesien, die 1911 in Nordrhodesien (heute Sambia) und Südrhodesien (Simbabwe) geteilt wurde. 1923 wurde Südrhodesien eine selbstverwaltete Siedlungskolonie. Mit dem Landgesetz von 1930 wurde das fruchtbarste Gebiet den weißen Siedlern zugesprochen. Die indigene Bevölkerung musste mit ihrer Landwirtschaft in unfruchtbare Gebiete weichen. Die Besetzung dauerte bis 1980 an.

In den 1960ern formierte sich ein Nationalismus gegen die Kolonialherrscher, Robert Mugabe war eine der führenden Figuren. Ein Geheimdienst wurde gebildet, der bis heute Oppositionelle gewalttätig verfolgt. 1965 erklärten die weißen Siedler unterstützt von der südafrikanischen Apartheit Regierung ihre Unabhängigkeit, die von Großbritannien nicht anerkannt wurde. Weiters orientierte sich Zensuswahlrecht an Bildung und Einkommen, nicht jedoch an der Hauptfarbe. Trotzdem konnten viele zehntausende Schwarze aufgrund von Armut und fehlender Bildung nicht wählen. Im Februar 1980 gab es die 1. demokratisch abgehaltenen Wahlen, am 18. April 1980 feierte Zimbabwe seine Unabhängigkeit. Premierminister wurde Robert Mugabe mit seiner Partei Zimbabwe African National Union-Patriotic Front (ZANU-PF), 1987 wurde er Präsident. Die anfängliche Euphorie wandelte sich rasch in Enttäuschung und Unmut über Mugabes korrupte Regierung, die die Kluft zwischen der reichen, oft korrupten Bevölkerung und den sehr Armen verstärkte. Menschenrechte und öffentliche Meinungsäußerung wurden nicht anerkannt, Verfolgung und Folter bis hin zu Ermordungen Oppositioneller standen an der Tagesordnung. Mitte der 1980er befahl er eine Säuberung der Ndebele, wo er politische Gegner vermutete, rund 20.000 Menschen wurden in diesen 5 Jahren ermordet und in Minen und Massengräbern verscharrt.

 Landessprache: Simbabwe hat seit der Verfassungsänderung 2013 16 offizielle Sprachen. Englisch ist die Amtssprache in Simbabwe, genutzt im Schul- und Justizsystem. Zu den indigenen Sprachen zählen die Bantu-Sprachen Shona (gesprochen von 70% der Bevölkerung) und Ndebele (gesprochen von 20%) sowie 13 Sprachen ethnischer Minderheiten. Weniger als 2,5% (hauptsächlich Weiße) bezeichnen Englisch als ihre Muttersprache. Medien werden in Shona, Sindebele und Englisch produziert. Viele SimbabwerInnen beherrschen – wie so viele AfrikanerInnen – mehrere Sprachen. Die mündliche Weitergabe von Wissen ist ein großer kultureller Schatz Afrikas.
 Bevölkerung: Ca. 16,53 Millionen Einwohner (2017), ca. 70% Shona, 20% Ndebele, 6% Chewa, der Rest besteht aus Tonga, Tsonga, Venda, eine kleine Gruppe von Menschen mit europäischer und simbabwischer Herkunft sowie vom indischen Subkontinent; Mitte des 20. Jahrhunderts gab es ca 5% weiße Kolonialbevölkerung aus Großbritannien & Südafrika – heute sind es weniger als 20.000 Europäer. Ca. 3 Millionen Simbabwer leben im Ausland. Zwischen 1987 bis 2001 sank die Lebenserwartung rapide von 60 auf 44 Jahre, bis 2016 stieg sie wieder auf 61 Jahre. Das Bevölkerungswachstum beträgt 2,2%, Frauen bekommen durchschnittlich 3,97 Kinder, knapp 39% der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt, der Altersdurchschnitt beträgt 20 Jahre (in Österreich 42,5 Jahre). HIV/Aids ist ein großes Problem, zwar konnte die Infizierungsrate zwischen den 1990ern bis 2007 halbiert werden, jedoch sind fast 80% der Jugendlichen und Frauen infiziert, immer mehr Aids-Waisen sind auf sich allein gestellt und von starker Armut betroffen.

Rund 11 Millionen Simbabwer leben am Land ohne Elektrizität oder fließend Wasser. Krankenhäuser im ganzen Land sind oft baufällig und schlecht ausgestattet.

Zwar gibt es seit 2005 ein „Frauenministerium“, jedoch unterdrückt das zutiefst patriarchale System sowie das Gedankengut der weißen Siedler & Missionare Frauen noch immer. Vor allen in den frühen 1980er Jahren waren Übergriffe auf und Verhaftungen von tausender alleinstehenden oder berufstätigen Frauen keine Seltenheit. Häusliche Gewalt, Kinderehen, Tabu der Menstruation und Mangel an Hygieneprodukte sowie Illegalität von Homosexualität sind weitere schwerwiegende Gesellschaftsprobleme.

 Kultur:

 

Simbabwe ist berühmt für seine Höhlenzeichnungen der San sowie Steinbauten des Munhumutapa Reiches. Die Kultur der San bestand in Simbabwe etwa bis 1000 n. Chr. (heute leben noch rund 1000 San in Simbabwe). San bedeutet „jene, die etwas vom Boden auflesen“, sie waren Jäger und Sammler. Ihre Höhlenmalereien in den Matobo Hills werden auf 10.000 bis 2000 Jahre alt geschätzt. Die filigranen, sehr detailliert & schattiert gemalten Zeichnungen stellen Tiere & Menschen sowie Jagd- & Alltagsszenen, Schamanismus, Methapern & Symbolismus in verschiedenen Malstilen dar.

Groß-Simbabwe ist eine Ruinenstadt und ehemalige Hauptstadt des Munhumutapa Reiches. Die bis zu 10m hohen Steinwänden aus Granitstein-Ziegel wurden ohne Mörtel gebaut wurden. In seiner Blütezeit hatte die Stadt zwischen dem 11. & 15. Jahrhundert bis zu 18.000 EinwohnerInnen. Als politisches Machtzentrum genutzt war es reich an Rinderzucht, Gold- & Fernhandel. Viele Bewohner waren Künstler und Steinmetze. Der Name „große Häuser aus Stein“ leitet sich vermutlich von der Sprache der Shona ab und ist Namensgeber des Landes – dzimba = Häuser, mabwe = Steine. Der in den Ruinen gefundene Simbabwe-Vogel aus Speckstein zierte ab 1932 südrhodesische Münzen und ist bis heute Wappentier der Nationalflagge.

Nach dem Ende von Groß-Simbabwe entstanden Khami der Torwa Dynastie zwischen 1450 – 1650 sowie Danangombe der Rozwi Dynastie im 17./18. Jahrhundert. Auch diese Bauten wurden aus tausenden Steinen ohne Mörtel gebaut und stehen größtenteils bis heute.

Groß-Simbabwe gehört ebenso wie Khami, den Matobo Hills Höhlenmalereien, dem Mana Pools Nationalpark & den Viktoria Fällen zum Unesco Weltkultur- bzw. Weltnaturerbe.

Steinmetzkunst und Bildhauerei sind bis heute bedeutende Formen des kreativen Ausdrucks, ebenso wie Schriftstellerei, Malerei & Musik. Die Nationalgalerie in Harare ist ein großer Förderer lokaler KünstlerInnen.

 Religionen: Ca 87,5% Christen (75% anglikanisch, 8% röm.-katholisch, methodistisch), 4% traditionelle afrikanische Religionen & Schamanismus (wie Mashawe oder die Verehrung von Himmelsgott Mwari), wobei auch ein Großteil der Christen traditionelle Religionen praktiziert & diese in Messen durch Rituale, Lieder, Tänze oder traditionelle Ikonographie integriert, 1% Muslime, je 0,1% Buddhismus, Hinduismus, Judentum, Bahaitum. In Simbabwe herrscht Religionsfreiheit.
 Bildung: Nach der Unabhängigkeit 1965 wurde in das Bildungssystem investiert & hat einen der höchsten Bildungsstandards Afrikas. Die Alphabetisierungsrate beträgt 91,7% (84,6% bei Frauen, 88,5% bei Männern – 90,4% bei Jugendlichen, 88,7% bei Erwachsenen, 81,1% bei ab 65jährigen) laut UNESCO Institute for Statistics. Das Schulsystem beginnt mit einer 2-jährigen Vorschule, 7 Jahre Volksschule, 6 Jahre Höhere Schule. Es gibt 7 staatliche & 4 kirchliche Universitäten. Die University of Zimbabwe (1952) ist die älteste Universität. Aufgrund von hoher Schul- & Uniformgebühren ist Bildung sehr teuer, viele wohlhabende Eltern schicken ihre Kinder auf Privatschulen & später auf renommierte Universitäten im Ausland. In den 1980er Jahren wurde das Bildungssystem massiv gefördert, brach jedoch in den 2000ern rapide ein.
 Wirtschaft: BIP 2017: 17,6 Milliarden US-$, BIP/Kopf 2017: 1,185 US-$

Die Hauptwirtschaftszweige des Landes bestehen aus Minenarbeit (Erz, Gold, Kohle, Platin, Kupfer, Diamanten) sowie der Produktion von Tabak, Mais, Baumwolle, Zitrusfrüchte, Weizen, Kaffee, Textil, Stahl, Chemikalienherstellung und Tierzucht (Schafe, Ziegen, Schweine, Geflügel und Rinder) sowie Tourismus (weißer Siedler machten vor dem Ende der Apartheit gerne Urlaub in Hotels weißer Simbabwer). Bis heute wird vermutet, dass viele Bodenschätze wie Diamanten aus dem Land geschmuggelt werden zum Profit einiger weniger. 2016 wurde bekannt, dass Erträge aus Diamantenabbau von bis zu 15 Milliarden (!) US$ nicht auffindbar waren, was die sozioökonomische Situation der Bevölkerung nicht einfacher macht. Private Firmen müssen sehr hohe Steuern zahlen, während Staatliche stark gefördert werden.

Simbabwe exportiert Baumwolle, Tabak, Gold, Ferrolegierung und Elfenbein.

Die korrupte Regierung füllte zwar ihre eigene Tasche, investierte aber weder in Wirtschaft, noch in Bildung, Dürrekatastrophen taten ihr Übriges. Ende der 1990er kam es zum wirtschaftlichen Zusammenbruch. Auch tausende Junglehrer wurden entlassen. Von 1998 bis 2008 halbierte sich die Wirtschaftsleistung, Zölle fielen, 2008 kamen alle Wirtschaftsbereiche nahezu dem Erliegen. Die Währung kollabierte, die Arbeitslosigkeit schätzte man 2009 auf 95%, zehntausende illegal gebaute Häuser wurden vernichtet, mehr als 750.000 Menschen wurden obdachlos, in der Hauptstadt wurden 10.000 Straßenkinder, Straßenhändler und Obdachlose sowie 25.000 Bergleute unter dem Deckmantel der „Reinigung Unordnung stiftender Elemente“ festgenommen. Die Rundfunkempfangsgebühren wurden um das 2.500-fache erhöht. Die Landreform wurde von Mugabes Regierung jahrelang verzögert, erst im Jahr 2000 wurden mehr als 4.000 weiße Bauern enteignet, das Land größtenteils Mugabe und seinen Parteifunktionären zugesprochen und war großteils nicht mehr fruchtbar. Rund ¼ der Bevölkerung kann sich heute ohne internationale Hilfsprogramme nicht mehr ernähren, 2015 waren 44,7% unterernährt. Der Gold- und Tabakexport brach rapide ein, die massive Abwanderung sowohl der weißen als auch schwarzen Bevölkerung hält bis heute an.

 Währung: Seit 20.02.2019 RTGS-Dollar = Real Time Gross Settlement/Echtzeit-Bruttoabwicklungssystem (Bis 1980 Rhodesien-Dollar, bis 2015 Simbabwe Dollar, ab Oktober 2016 Schuldscheine zur Wirtschaftsstabilisierung).

Quellen: Auswärtiges Amt.de/Bundesregierung.de/Wikipedia