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Mazedonien - seit 1997 Partnerland von WGT Österreich

Bei der WGT-Europakonferenz im Jahre 1997 in der Schweiz wurde jedem westeuropäischen Land ein osteuropäischer Partner zugeteilt. Seitdem freuen wir uns über die guten Verbindungen und den Austausch mit Mazedonien.

 

Weltgebetstag in Mazedonien - eine Bewegung gegen die Resignation

(Ein Bericht von Christina Cekov)

Beginn der Weltgebetstagsarbeit

Die Anfänge des Weltgebetstages in Mazedonien lassen sich bis 1940 zurückverfolgen, als die deutsche Weltgebetstagspionierin Luise Scholz der Schweizer Missionarin Rosa Isler, die gerade in Mazedonien eingesetzt war, das Feiern des Weltgebetstags dringend ans Herz legte.

Seit damals wird der Weltgebetstag in Mazedonien bis in die frühen Siebziger Jahre regelmässig in den Methodistischen Gemeinden gefeiert.

Erste ökumenische Begegnungen

Als ich nach meiner Verheiratung mit einem mazedonischen Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche, 1980 nach Skopje übersiedelte, lernte ich Sr. Martina, eine griechisch-katholische Ordensschwester kennen. Gemeinsam studierten wir an der dortigen Uni und wurden Freundinnen. Unsere Begegnungen bei gegenseitigen Besuchen von Gottesdiensten und Messen waren die ersten ökumenischen Versuche in einer Zeit, als Mazedonien noch Teil der Föderativen Sozialistischen Republik Jugoslawiens war, wo Kirchen allgemein nicht sehr populär waren, insbesondere Minoritätskirchen wie die Katholische und die Protestantischen. Mit unserer Freundschaft wuchs auch der Wunsch nach gemeinsamen ökumenischen Begegnungen. Die Antwort darauf fanden wir im Weltgebetstag, den wir seit 1982 gemeinsam vorbereitet und abwechslungsweise in der katholischen und methodistischen Kirche feiern. Seit nun mehr 30 Jahren übersetze und drucke ich das Material und stelle es den Gemeinden kostenlos zur Verfügung. Wir bemühten uns, auch die Mazedonisch-orthodoxe Kirche, die die überwiegende Mehrheit im Lande bildet, für den Weltgebetstag zu gewinnen.

Gründung des Nationalkomitees

Ein Erfolg dieser Bemühungen war 1998 die Gründung des Nationalkomitees mit spezieller Genehmigung des damaligen Mazedonisch-orthodoxen Erzbischofs Mihail.

Nach dem Zerfall Jugoslawiens gewann die Mazedonisch-orthodoxe Kirche sehr an Macht, wurde doch plötzlich die nationale Identität der Mazedonier mit dieser Kirche verbunden. Nichtsdestotrotz versuchten wir, die Orthodoxen in den Weltgebetstag miteinzubeziehen und erhielten dann auch erstmals die Erlaubnis, in der orthodoxen Fakultät in Skopje einen Weltgebetstagsgottesdienst durchzuführen. Doch nur 2 Stunden vor Beginn des Gottesdienstes verschloss ein Priester die Tür und verweigerte den Weltgebetstagsfrauen den Zutritt. Diese gaben aber nicht auf und verlegten in einer Blitzaktion die Feier in die katholische Kathedrale.

Engagierte Frauen aller christlichen Kirchen feiern Weltgebetstag

Trotz allem, oder vielleicht auch gerade deshalb, funktioniert Ökumene auf unterster Ebene am besten. Frauen erleben jedes Jahr in der gemeinsamen Vorbereitung und Feiern mit Frauen aus anderen Kirchen und Traditionen in der Überwindung von Vorurteilen eine Bereicherung ihres Glaubens und eine Erweiterung ihres Horizonts.

Auch wenn diese Arbeit nicht einfach ist, und es immer mal wieder auch Rückschritte gibt, so sind es doch engagierte Frauen aller Denominationen, die alle nur möglichen Hürden überwinden und mit weitem Blick, der nicht nur auf die eigene Kirche beschränkt ist, die Ökumene leben zu lassen.

Weltgebetstag heute

Jedes Jahr finden Weltgebetstagsgottesdienste in 8, meist evangelisch-methodistischen Kirchen statt, in Skopje auch abwechslungsweise in der römisch-katholischen. Sie sind bei den Frauen, gerade auch den orthodoxen Frauen, sehr beliebt und bieten einen Raum der Begegnung - auch beim anschliessenden lockeren Beisammensein, den es sonst so nicht gibt.

Eine orthodoxe Vertreterin sagte einmal in einem Weltgebetstagsgottesdienst: „Selbst wenn wir vor verschlossenen Türen stehen, unsere Herzen sind offen füreinander und für die Ökumene.“

In diesem Sinne ist und bleibt der Weltgebetstag, den es nun schon über 72 Jahre in Mazedonien gibt, trotz allem eine Bewegung gegen die Resignation.