WGT-Veranstaltung am 9. September 2019: Bildung ohne Schranken

Am 9. September 2019 haben Brot-für-die-Welt Österreich und der Weltgebetstag der Frauen in Österreich zur Veranstaltung „Bildung ohne Schranken – Wie inklusive Bildung funktionieren kann“ eingeladen. Die zentrale Frage des Abends war, wie können in der Praxis Hindernisse auf dem Weg zu inklusiver Bildung überwunden werden?

Beim Podiumsgespräch mit anschließender Publikumsdiskussion nahmen VertreterInnen der Selbstvertretungsorganisation Lesotho National Federation of Organisations of the Disabled (LNFOD), der Jairos Jiri Association in Simbabwe, des Evangelischen Realgymnasiums (ERG) in Wien Donaustadt und dem Linzer Diakonie Zentrum Spattstraße teil. Sie stellten Erfolgsbeispiele vor und sprachen über die Herausforderungen und Probleme die sie sehen. Nach einer kurzen Vorstellrunde präsentierte das Podium Gegenstände, die sie mitgebracht hatten und die sie mit Inklusion verbinden.

Rabasotho Moeletsi ist Projektkoordinator bei LNFO in Lesotho. Er hat ein Foto von einer Bergregion mitgebracht, auf dem ein kleinerer Fluss in einem größeren Fluss, dem Zingu, fließt. Durch den Zusammenfluss wird Zingu größer und stärker, und genau das bedeutet für ihn erfolgreiche Inklusion für die Gesellschaft: Wenn wir zusammenwachsen, profitieren wir alle davon und lernen voneinander. Für ihn ist inklusive Bildung keine Form der Bildung, sondern eine andere Lebensweise. LehrerInnen müssen ihre Lehrmethoden anpassen. Der bzw. die SchülerIn steht im Zentrum, nicht die Lehrenden. Dabei sei es wichtig, dass Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung mit SchülerInnen im gleichen Alter zur Schule gehen.

Joyce Matara arbeitet für die simbabwische Organisation Jairos Jiri. Sie hat ein traditionelles Musikinstrument aus ihrem Land, ein Lamellophon, als Gegenstand mitgebracht. Dieses besteht aus verschiedenen Lamellen, die unterschiedlich lang sind. Zupft man sie einzeln klingen sie komisch, nur wenn man sie gemeinsam spielt, erhält man den schönen Klang, der die Menschen zum Tanzen bringt. Genau so sei es mit den Menschen, manche sind groß, andere klein, dick oder dünn, doch alle tragen wir etwas zur Gesellschaft bei und es ist wichtig, dass wir diese Vielfalt leben und daraus schöpfen. Durch inklusive Bildung, lernen die SchülerInnen sich gegenseitig zu akzeptieren und zu schätzen.
JJA hilft Schulen dabei, Inklusionskonzepte erfolgreich umzusetzen und hat zwei Modellschulen für inklusive Bildung, wo auch LeherInnen fortgebildet werden.

Andrea Boxhofer ist Geschäftsführerin des Diakoniezentrum Spattstraße, dort werden Kinder und Jugendliche in allen Krisen und Notsituationen unterstützt. Ein Angebot ist die Assistenz für SchülerInnen mit Beeinträchtigungen. Frau Boxhofer hat einen Briochknopf mitgebracht. Er besteht aus Mehl, Eier, Zucker, Rosinen. Wird von einer Zutat entweder zu viel oder zu wenig verwendet, geht er nicht auf und so sei es auch mit erfolgreicher Inklusion. Erst wenn es das große Ganze ist, dann können wir es alle genießen, alle können wir davon profitieren.

Laura Riefentahler ist seit 7 Jahren Integrationslehrerin am ERG in Donaustadt. Ihr ist es ein Anliegen inklusive Bildung weiterzubringen und zu etablieren. Die Erfahrung hat sie gelehrt, inklusive Pädagogik sei teilweise schwierig umzusetzen. Inklusion ist kein Konzept, sondern eine andere Lebensweise und was das genau bedeutet sei noch nicht ganz in unseren Köpfen. Sie ist gemeinsam mit ihrer Schülerin Maja gekommen. Maja und Laura haben als Symbol für inklusive Bildung eine Brille mitgebracht. Sie steht für Vielsichtigkeit. So sehe man manche Beeinträchtigungen, und manche, wie z.B. Formen von Autismus oder Dyskalkulie, nicht sofort. Viele Menschen wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Deswegen die Brille: Wie geht es nun dem Menschen mit dieser Beeinträchtigung und wie kann ich damit umgehen?
Bevor bei Maja Dyskalkulie diagnostiziert wurde ging sie auf eine normale Regelschule. Als sie dort Probleme hatte dem Matheunterricht zu folgen, wurde sie von der Lehrerin einfach nur umgesetzt. Diese Zeit war sehr schlimm für sie, sie hatte Angst vor den LehrerInnen. Seit sie auf das ERG geht, freut sie sich wieder auf die Schule. Das ERG bietet von der 1. Unterstufe bis zur 7. Klasse Oberstufe weitestgehend inklusive Klassen an.

Sowohl beim Diakoniezentrum Spattstraße, also auch bei Jairos Jiri Association handelt es sich um Projektpartner von WGT-Österreich.

Dieser Beitrag wurde am 13. September 2019 veröffentlicht, in Aktuelles. Setze ein Lesezeichen mit dem Permanentlink.